Ich habe vieles nicht zuerst verstanden. Ich habe es zuerst erlebt.

ICH KENNE DAS LEBEN NICHT AUS EINEM LEHRBUCH.

Ich spreche über Verlust, Brüche, Angst und Verantwortung nicht, weil ich darüber gelesen habe. Ich spreche darüber, weil sie durch mein eigenes Leben gegangen sind. Weil Entscheidungen getroffen werden mussten, obwohl Antworten fehlten. Weil das Leben weiterlief, obwohl in mir längst etwas stehen geblieben war. Man kann Trauer erklären, Krisen analysieren und menschliche Reaktionen verstehen. Aber kein Lehrbuch kennt den Morgen nach einem Verlust. Kein Modell übernimmt deine Verantwortung. Keine Methode nimmt dir die Entscheidungen ab, wenn du selbst kaum noch kannst.

Ein Zertifikat zeigt, was du gelernt hast. Das Leben zeigt, worauf du zugreifen kannst, wenn es dich selbst trifft.

Was ich heute weitergebe, kommt deshalb aus beidem. Aus dem Verstehen und aus dem Erleben.

IRGENDWANN HABE ICH VERSTANDEN: WIR HABEN NICHT ALLES NEU ZU ERFINDEN. WIR HABEN ETWAS VERLOREN.

Je tiefer ich mich mit dem Menschen beschäftigte, desto deutlicher wurde mir, dass frühere Kulturen etwas verstanden hatten, das in unserer modernen Welt beinahe verschwunden ist.

Sie wussten, dass das Leben einen Menschen nicht erst fragt, ob er bereit ist. Dass Verlust, Angst, Verantwortung, Konflikt und Ungewissheit keine Ausnahmezustände sind, sondern zum menschlichen Leben gehören. Und sie zogen daraus eine Konsequenz, die mich bis heute beschäftigt: Sie warteten nicht auf die Krise. Sie formten den Menschen für das, was kommen könnte. Der Samurai übte nicht nur den Umgang mit dem Schwert. Auf Okinawa wurde nicht nur eine Technik weitergegeben. Andere Kulturen kannten ihre eigenen Wege, Prüfungen und Formen. Hinter all diesen Unterschieden lag etwas Größeres: Der Mensch sollte lernen, unter Anforderung Zugriff auf sich selbst zu behalten. Auf seinen Körper. Auf seine Entscheidung. Auf seine Handlung. Auf seine Haltung, wenn Angst, Erschöpfung oder Druck längst etwas anderes von ihm verlangten.

Genau darin erkannte ich etwas, das unsere Zeit beinahe umgedreht hat. Heute versuchen wir häufig, den Menschen erst dann aufzufangen, wenn etwas bereits geschehen ist. Frühere Kulturen stellten eine andere Frage: Was muss vorher im Menschen entstanden sein, damit er nicht bei jedem Sturm neu lernen muss, zu stehen?

Diese Erkenntnis traf mich nicht nur fachlich. Sie traf mich persönlich. Denn plötzlich verstand ich, was mein eigenes Leben mit mir gemacht hatte. Ich war auf vieles von dem, was kam, nicht vorbereitet. Niemand hatte mich vorher geformt für Verlust. Für Angst. Für Brüche. Für Verantwortung in Momenten, in denen ich selbst kaum noch Kraft hatte. Ich musste lernen, während ich bereits mittendrin stand. Musste Entscheidungen treffen, während es weh tat. Musste tragen, bevor ich wusste, wie man trägt. Was frühere Kulturen bewusst in ihre Formung legten, musste ich mir im wirklichen Leben erarbeiten. Ohne geschützten Raum. Ohne Vorbereitung. Und manches davon zu einem Preis, den ich heute keinem Menschen wünsche.

Das Leben wurde meine Schmiede. Es hat genommen, gebrochen, verdichtet und mich gezwungen, mich immer wieder neu zusammenzusetzen. Nicht zu dem Menschen, der ich einmal war – sondern zu dem Menschen, der unter all dem entstehen musste. Heute weiß ich deshalb, warum Formung für mich mehr ist als ein Konzept. Ich habe erlebt, was es kostet, wenn sie vorher fehlt.

  • ICH WOLLTE NICHT NUR WISSEN, WAS EINEN MENSCHEN FORMT. ICH WAR SELBST MITTEN IN DIESER FORMUNG.
  • ICH MUSSTE SCHMERZ AUSHALTEN, BEVOR ICH VERSTAND, WAS IHN TRAGBAR MACHT.
  • ICH MUSSTE WEITERGEHEN, WÄHREND IN MIR DINGE ZUSAMMENBRACHEN, DIE ICH FÜR UNVERÄNDERLICH GEHALTEN HATTE.
  • ICH MUSSTE VERANTWORTUNG TRAGEN, AUCH DANN, WENN ICH SELBST JEMANDEN GEBRAUCHT HÄTTE, DER MICH TRÄGT.
  • ICH HABE ERLEBT, WIE EIN MENSCH SICH VERÄNDERT, WENN DAS LEBEN IHM STÜCK FÜR STÜCK SEINE ALTE FORM NIMMT.
  • ICH BEGANN ZU VERSTEHEN, DASS NICHT NUR UNSERE GEDANKEN ENTSCHEIDEN – SONDERN AUCH DER ZUSTAND, IN DEM UNSER KÖRPER GERADE VERSUCHT ZU ÜBERLEBEN.
  • ICH SUCHTE BEI FRÜHEREN KULTUREN NACH DEM, WAS MIR SELBST GEFEHLT HATTE: BEWUSSTE FORMUNG, BEVOR DAS LEBEN SIE ERZWINGT.

UND ICH BEGRIFF, DASS ES NICHT DARUM GEHT, UNVERSEHRT DURCH DAS LEBEN ZU KOMMEN.

ES GEHT DARUM, AUS DEM, WAS DICH TRIFFT, EINE FORM ZU BAUEN, DIE DICH TRÄGT.

Was ich zusätzlich gelernt habe.

Erfahrung war der Anfang. Wissen gibt ihr heute Struktur.

Psychologischer Berater (SRH), SRH Fernhochschule
Derzeit in Ausbildung mit Schwerpunkt auf psychologischen Grundlagen, menschlichem Verhalten, Wahrnehmung, Emotion, Belastung und den Zusammenhängen hinter unserem Erleben und Handeln.

Okinawa Karate und Selbstverteidigung
Seit acht Jahren kontinuierliche Ausbildung und Praxis im Okinawa Karate und in der Selbstverteidigung. Davon sieben Jahre intensive persönliche Ausbildung unter Hanshi Harald Weitmann, 10. Dan. Über vier Jahre zusätzlich Erfahrung als Assistenztrainer für Kinder und Jugendliche, mit schrittweise wachsender Verantwortung bis hin zur Durchführung eigener Einheiten.

Unternehmerische Erfahrung
Seit 2009 selbstständig und über viele Jahre verantwortlich für Entscheidungen, wirtschaftlichen Druck, Kunden, Mitarbeiter und die Folgen unternehmerischer Verantwortung. Diese Erfahrung prägt meinen Blick darauf, was Menschen unter Belastung tatsächlich tragen müssen.

Familien und Alltagserfahrung
Als Vater von drei Kindern und durch langjährige Verantwortung für ein weiteres Kind im eigenen Haushalt kenne ich die Realität von Erziehung, Entwicklung, Konflikten und Verantwortung nicht nur aus der Theorie, sondern aus dem täglichen Leben.

Eigenständige Vertiefung
Seit mehreren Jahren intensive Beschäftigung mit menschlicher Formung, Psychologie, Lernen, Kommunikation, Führung, historischen Kriegerkulturen, Kampfkunst und Verhalten unter Druck. Dabei beschäftige ich mich mit unterschiedlichen Denkern, Modellen und Perspektiven und verbinde diese mit eigener Erfahrung und den Fragestellungen von IMPERA.